Was macht der Psychosomatiker

Seit seiner Implementierung 1992 als Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und nach seiner Umbenennung in Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2003 gelang es dem Facharzt sich zunehmend in die ambulante und stationäre Versorgungslandschaft zu integrieren.

Der  Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie  soll sowohl primärer Ansprechpartner für Betroffene, als auch Mittler und Schnittstelle zwischen Behandlern aus den unterschiedlichsten Fachgebieten sein, wenn es sich um eine psychosomatische, eine somatopsychische oder eine spezialisierte Psychotherapie notwendig erscheinen lassende Störung handelt.

Das Spektrum der zu behandelnden Erkrankungen umfasst hierbei auch die Psychoonkologie, die Schmerztherapie sowie die Arbeit mit Trauma-Patienten und Patienten mit Suchterkrankungen.

Psychosomatische Störungen sind in jeder Arztpraxis vorhanden und die Prävalenzraten scheinen in Industrieländern gegenwärtig eher noch zu steigen. Mindestens 25% der Patienten in Hausarztpraxen leiden an psychischen und/oder psychosomatisch mit- bedingten Störungen. Gleiches gilt für nahezu alle anderen ärztlichen Fachgebiete. Trotz der Einführung der psychosomatischen Grundversorgung gelingt eine suffiziente Behandlung für die meisten Betroffenen durch die Hausärzte (oder die anderen auf ihr Fachgebiet spezialisierten Primärversorger) selbst nicht. Es besteht folglich momentan und in Zukunft ein immenser Bedarf an Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die Patienten mit umfassendem psychischen und somatischen Wissen zeitnah und mit flexiblen Interventionsmethoden untersuchen, diagnostizieren und behandeln können.

Wenn man sich an den geforderten Kriterien für die Psychotherapiequalifikation im Rahmen der WBO orientiert dann ist der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der am besten ausgebildete Psychotherapeut in der deutschen Versorgungslandschaft.

Gemäß der Weiterbildungsordnung des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie werden nicht nur verschiedene Psychotherapie-Schulen, wie die Tiefenpsychologie, die Verhaltenstherapie oder die Systemischen Ansätze integriert, sondern neben der Ausbildung in den verschiedenen Settings (wie Einzel-, Gruppen-, Paar- und Familientherapien) auch spezialisierte Ansätze, wie die Vermittlung sexualtherapeutischer oder traumatherapeutischer Techniken, gefordert.

Neben dieser psychotherapeutischen Kernkompetenz verfügt der Facharzt durch das vorausgehende Medizinstudium über ein ausgezeichnetes Grundgerüst in der Diagnostik und der Behandlung von Störungen und Erkrankungen aus allen medizinischen Gebieten, in denen es Überschneidungen zur Psychosomatik gibt (z.B. HNO, Neurologie, Orthopädie).

Die 5-jährige ganztägige Weiterbildung legt den Schwerpunkt auf eine mindestens 3-jährige Weiterbildung an psychosomatischen Kliniken. Daneben wird für die historisch und fachlich „nächsten“ Fachgebiete der Inneren Medizin (und Allgemeinmedizin) sowie der Psychiatrie eine mindestens einjährige Tätigkeit gefordert. Hieraus ergeben sich für den niedergelassenen Facharzt die folgenden Qualifikationsmerkmale:

  • Durch die intensive praktische Ausbildung wird der Facharzt bestens vorbereitet, inhaltlich und schwerpunktmäßig mit psychosomatisch kranken Menschen zu arbeiten, sei es im Sinne von Diagnostik oder Therapie mittels Langzeit- oder Kurzzeittherapie, aber auch durch niederschwelligere Therapieangebote wie Einzelgespräche in kürzeren Zeiteinheiten, supportive Psychotherapie oder (z.B. psychoedukative) Therapie in Gruppen.
  • In gleichem Maße erfolgt durch die Ausbildung, die Vorbereitung für primär somatisch kranke Menschen, bei denen sekundär psychische Probleme (im Sinne einer somatopsychischen Störung oder krankheitsbedingte Interaktionen aus der somatischen Erkrankung heraus) entstehen. Als Beispiel seien Patienten mit Multipler Sklerose, Tumor- oder Schmerzpatienten genannt.
  • Darüber hinaus ist der Facharzt sehr gut ausgebildet um Patienten psychotherapeutisch zu versorgen, die unter Störungen leiden, bei denen neben psychischen auch somatische Aspekte immer wieder eine zentrale Rolle spielen (wie z.B. bei Patienten mit Herzängsten oder bei Patienten mit somatisierten Depressionen) und/oder bei denen eine extrem hohe psychotherapeutische Kompetenz gefordert wird.
  • Durch die jeweils einjährige, ganztägige Weiterbildung in Innerer Medizin bzw. Psychiatrie verfügt er zusätzlich über ein differenziertes und fundiertes Wissen in denjenigen Fächern, die die größten Überschneidungen mit dem Fachgebiet Psychosomatik aufweisen.
  • Dies schließt auch den sicheren Umgang mit psychopharmakologischer und internistischer Medikation mit ein, so dass er (durch seine Weiterbildung) für eine synergistische Behandlungskompetenz aus psychotherapeutischer und medikamentöser Therapieoption hervorragend vorbereitet ist.